28. Mai 2020

„Stille Kämmerlein hatten wir genug“ - Impressionen eines Gottesdienstes in Zeiten der Pandemie


Am Sonntag Rogate, dem 17. Mai 2020, wurde der erste Gemeindegottesdienst seit den Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie in der Martinskirche zu Kölln (Püttlingen) gefeiert. Ein Besucher berichtet.

In der Martinskirche zu Kölln ist es still. Vereinzelt hört man gedämpfte Stimmen von Ehepaaren, die Besucher des ersten öffentlichen Gottesdienstes seit Wochen grüßen sich von ihren Plätzen aus durch Winken und verständiges Kopfnicken. Der Raum lässt diese Stille auch zu: Das 1223 erstmals urkundlich erwähnte Gotteshaus als Pfarrkirche der Kirchengemeinde Kölln in Püttlingen (Regionalverband Saarbrücken) mit ihren mittelalterlichen Malereien im Chorraum, der Einwölbung des Kirchenschiffes und der Renaissancekanzel lässt den Blick wandern und innehalten.
Das Presbyterium hat zuvor in einer außerordentlichen Sitzung ein Hygienekonzept beschlossen, in dem unter anderem eine Sitzordnung erstellt wurde. Die Küsterin und die diensttuenden Presbyter weisen die Besucher auf die Plätze, die durch ausgelegte Programmhefte erkennbar sind. Dadurch bleibt der nötige Abstand gewahrt. Wer teilnehmen wollte, musste sich vorher namentlich anmelden. An diesem Sonntag ist die Kapazitätsgrenze nahezu ausgefüllt. 35 Besucher sind gekommen, etwa ein Viertel weniger als zu einem durchschnittlichen Gottesdienst am Sonntagvormittag.

Das Verständnis für die Maßnahmen von allen Seiten war und ist groß, die Durchführung kämpft aber stellenweise noch mit einigen Unsicherheiten. Zum Beispiel die Mund-Nasen-Schutz-Pflicht. Der Mundschutz ist für das Mitsprechen der Psalmen und Fürbitten nicht gerade hilfreich. Als Brillenträger kann ich „ein Lied davon singen“ - vorerst zuhause, denn auch Gemeindegesang ist nicht erlaubt.
Die Lieder singt Pfarrer Prof. Dr. Joachim Conrad mit Orgelbegleitung allein. Immerhin: Die Gemeinde hat somit die Gelegenheit, den Fokus auf die Texte der Lieder zu setzen.
Der vorgeschlagene Predigttext zum Sonntag Rogate findet sich im Evangelium nach Matthäus (Mt 6, 5-15). Der liturgische Kalender fordert zum Gebet auf (vom lat. rogo = beten, bitten, fragen). In Anlehnung an den Predigttext eröffnete Pfarrer Dr. Conrad mit dem Bonmot „Kämmerlein hatten wir genug“ seine Predigt. Die Begrenzung auf stille Gebete in den eigenen vier Wänden habe ein Ende. Dass die Gemeinde aktuell in der Mitwirkung eingeschränkt ist, griff Pfarrer Dr. Conrad ebenfalls auf: Zu oft verlören die Texte der Lieder und auch der Bekenntnisse durch den Fokus auf das Singen und Rezitieren ihre theologische Tiefe. Zum Leitbegriff von Predigt und Gottesdienst wurde die „Konzentration“. Konzentration auf das Wesentliche, auf das Miteinander. Das Miteinander im Zwischenmenschlichen und das Hoffen auf die Gemeinschaft mit Gott.

Im Anschluss spreche ich noch mit einer Altpresbyterin. Sie fasst die Stimmung eindrücklich zusammen: Die Gemeinde sei glücklich, dass sie wieder als Gemeinschaft den Gottesdienst feiern könne. Gleichzeitig fühle man sich im Geschehen selbst aber auch allein. Kurz: partielle Partizipation.

Zum Verfasser: Jonas Binkle (27) ist Mitarbeiterpresbyter der Ev. Gemeinde Kölln und Mitarbeiter des Evangelischen Zentralarchivs Saar (EZAS) in Riegelsberg-Walpershofen





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